10 Wochen Einblick in die Verwaltung

Ich studiere an der Hochschule Osnabrück „Öffentliche Verwaltung“, um in die Beamtenlaufbahn zu gelangen. Der Studiengang sieht zwischen dem zweiten und dem dritten Semester ein zehnwöchiges Praktikum in einer Behörde unserer Wahl vor. Dabei ist es gar nicht so einfach einen Praktikumsplatz in dem Zeitraum zu finden, in dem gleichzeitig auch Auszubildende eingestellt werden, denn die Kapazitäten sind nur begrenzt. Dennoch hat sich die Stadt Weener (Ems) im März 2018 bereit erklärt, mich aufzunehmen und mir das Praktikum zu ermöglichen. Eingesetzt wurde ich unter anderem in der Personalabteilung und im Bürgermeisteramt.

Da ich vor dem Praktikum noch keine konkrete Vorstellung von dem Aufgabenbereich hatte, war ich zunächst sehr neugierig, was im Laufe der Wochen auf mich zukommt. Während man mich unheimlich freundlich und herzlich aufgenommen hatte, war ich zunächst damit beschäftigt, mich vorsichtig an die Aufgaben heranzutasten, wie zum Beispiel das Erstellen einer Urkunde und dem damit verbundenen Schreiben über die Leistungen zu einem Jubiläum. Dadurch, dass wir im Studium überwiegend Gutachten schreiben, war ich mit der Verwaltung nur theoretisch vertraut, nicht aber praktisch. Deswegen war von Selbstvertrauen zunächst keine Spur. In den ersten zwei bis drei Wochen war ich nach der Arbeit oft sehr erschöpft, durch die ganzen neuen Informationen über Arbeitsvorgänge und –abläufe. Manchmal musste ich zweimal nachfragen, aber auch das hat man mir nicht übel genommen.

Im Laufe der Zeit wurden meine Aufgaben immer anspruchsvoller, da die Fälle oftmals sehr individuell waren. Auch mein Selbstvertrauen wurde von Aufgabe zu Aufgabe immer stärker, denn ich wurde für meine Ergebnisse gelobt. Ein Zeichen dafür, dass das, was ich tue, auch richtig ist.
Inzwischen wurde ich auch mit dem Aufgabenbereich der Lohnbuchhaltung vertraut gemacht, in der es hauptsächlich darum ging, die Gehälter unter Berücksichtigung von Krankheitstagen oder einer bestehenden Schwangerschaft bzw. Mutterschutzes zu ermitteln. Drum galt es, bestimmte Rechtsgrundlagen herauszusuchen und auf den Fall zu beziehen. Das hat mich oft auch nach dem Feierabend noch beschäftigt.

Besonders fesselnd fand ich die Änderung des Gesetzes über die Beitragsfreiheit in Kindergärten. An dieser Stelle durfte ich intensiv bei der Gestaltung der Satzungsänderung mitwirken, was eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist. Besonders auffällig ist jedoch, dass man eine objektive Haltung einnimmt, in der man sozusagen beide Seiten der Medaille betrachtet. Zunächst klingt es natürlich prima. Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung können nun acht Stunden täglich in fünf Tagen die Woche zum Kindergarten ohne, dass die Eltern etwas zahlen müssen. Die Kommune erhält eine Zuweisung vom Land die nun anstatt 20 % zunächst 55 % beträgt und jährlich um einen Prozent bis auf 58 % steigt. Das bedeutetet die Kommune bleibt auf 45-42 % der Kosten sitzen und dann stellt man sich die Frage, wie dies zu bewältigen ist, wenn die einzigen Einnahmequellen einer Kommune
Steuern, Gebühren und Beiträge sind. Dieses Thema finde ich so spannend, dass ich mir vorstellen könnte, in zwei Jahren meine Bachelorarbeit darüber zu schreiben. Für sämtliche Fragen und Anregungen hat sich der Kollege aus der Kämmerei schon bereit erklärt, mir gerne zur Verfügung zu stehen.

Während meines Praktikums wurden mir noch weitere Möglichkeiten geboten, wie beispielsweise die Seniorenfahrt nach Cloppenburg zu begleiten und an öffentlichen Sitzungen teilzunehmen.

Etwas ganz Besonderes für mich war die Tätigkeit im Bürgermeisteramt, in dem ich mich sechs Tage einbringen durfte. Der Aufgabenbereich ist durchaus verantwortungsvoll und Langeweile kommt hier nicht auf, denn oft klingelt das Telefon oder der Bürgermeister empfängt Besuch. Zusammenfassend hat mir die Stadt Weener (Ems) in den vergangenen zehn Wochen nicht nur ermöglicht einen tiefen Einblick in die verschiedenen Bereiche zu geben, sondern auch interessante Erfahrungen zu sammeln, die während meines Studiums von großer Bedeutung sein könnten. An dieser Stelle möchte ich mich gerne bei allen Kolleginnen und Kollegen für die Unterstützung und die gute Zusammenarbeit während meines gesamten Praktikums bedanken. Für die Zukunft kann ich mir die Stadt Weener (Ems) durchaus als Arbeitgeber vorstellen, zumal die Atmosphäre besonders zum Schluss doch sehr familiär wurde, so dass mir der Abschied doch ein wenig schwer fällt.

Der Bericht wurde verfasst von Felia Folkerts, einst wohnhaft in Weener.